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Lernen lernen

 
Am 22. März 2014 trafen sich 25 aufgeregte Schülerinnen der Klasse 6c um 9 Uhr morgens mit Frau Sopp, Frau Pflüger und Frau Bader in der Schule. Das Besondere daran: Es war ein Samstag und die Veranstaltung ein Projekt, das an der Agnes vielleicht bald Schule macht.
Schon längere Zeit stellen wir Lehrer fest, dass viele Schülerinnen Schwierigkeiten haben, "richtig", das heißt effektiv, zu lernen. Oft gibt es Tränen, weil der gefühlte Lernaufwand zum anstehenden Unterricht und insbesondere für die Schulaufgaben hoch ist, die Ergebnisse aber nicht den Erwartungen entsprechen. Dem wollten wir Abhilfe schaffen und unsere "Lernnachhilfe" mit dieser Klasse ausprobieren. Die Ideen dieses Projekts stammen zu einem größeren Teil aus der "Endres Lernmethodik", einem bewährten Werk im Bereich des "Lernen lernen". Dieses erwies sich als geeigneter Fundus für unsere Absichten und wurde durch eigene Ideen ergänzt.
An den Anfang des Tages stellten wir die Frage, was LERNEN für die Mädchen der 6c bedeutet. Anschließend tasteten wir uns gemeinsam vor, die Arbeit für die Schule und alles, was dazugehört zu organisieren. Neben der lästigen Notwendigkeit, den Schreibtisch aufzuräumen lernten die Mädchen durch das Ausräumen eines recht unordentlichen Beispiels einer Schultasche, wie unangenehm die Arbeit mit schlecht geführtem Material ist. Äußerliche Ordnung führt zu "Ordnung im Kopf", das erkannten auch die Schülerinnen. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz, da es sich bei unserem Musterschulranzen um die Tasche meines Sohnes handelte. Auch Lehrerkinder sind anscheinend nicht perfekt!
Frau Sopp erarbeitete mit den Kindern eine Strategie, wie sie mit einem Lernplakat zu guten Ergebnissen kommen können und erstellte einen Lernplan vor Schulaufgaben. Beim Lernmemory hatten alle viel Spaß und beschäftigten sich dabei vertieft mit verschiedenen Lernmethoden.
Mit weiteren Spielen und Übungen, die alle gerne angenommen wurden, entstand bei den Schülerinnen ein neues Gefühl für das Lernen und größere Motivation, sich für ihre Schulleistungen auch zu Hause einzusetzen. Die geeigneten Mittel dafür stellten wir ihnen zur Verfügung.
Mittags gab es dann Pizza und eine große Pause für alle. Die hatten sich die Mädchen auch redlich verdient, sie hatten den ganzen Vormittag fleißig gearbeitet. Danach bekamen sie noch Tipps zum Vokabellernen. Vor allem aber besuchten uns Kristina Klass, Mayra Haidar-Rodriguez, Alena Derinalp und Asena Derin aus der Klasse 9b, die von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Lernen berichteten. Beeindruckend riefen sie ihre jüngeren Mitschülerinnen dazu auf, sich für ihre eigenen Schulleistungen einzusetzen. Bei ihnen selbst war durchaus nicht immer alles makellos gelaufen. Aber alle hatten inzwischen das erkannt und glaubhaft aus Schülermund vermittelt, was auch wir Lehrer immer versuchen, den Kindern mit auf den Weg zu geben: Ihr lernt für euer eigenes Leben!
Als Abschluss dieses ereignisreichen Tages überlegten sich die Mädchen in Form eines Lernvertrags, welcher der gelernten Aspekte für jede persönlich am wichtigsten ist, vielleicht weil er bisher besonders vernachlässigt wurde. Den Vertrag unterschrieben die Schülerinnen und nahmen ihn als Erinnerung mit nach Hause.
Seit diesem Samstag beobachten wir die Ergebnisse des Projekts. Spontan ist festzustellen, dass der gemeinsame Tag auf jeden Fall für die Klassengemeinschaft und für den Zusammenhalt zwischen Lehrern und Schülern förderlich war. Er hat allen großen Spaß gemacht!
Die Änderung des Lernverhaltens war nicht von einem Tag auf den anderen zu erwarten und kann noch nicht beurteilt werden. Die Resonanz der Mädchen ist aber sehr erfolgversprechend: Häufig werden wir mit leuchtenden Augen angesprochen, dass Ideen und Hilfen angenommen und zu Hause erfolgreich durchgeführt wurden.
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